Lightpainting

Lightpainting Fotografie – Unsere Anleitung zur Lichtmalerei
Juli 24, 2016 parkerandarrow

Kreative Fotografie
So machst du beeindruckende Kunstwerke mit Licht
In 6 Schritten zum perfekten Bild

Sicherlich kennt ihr das: Die Lust zum Fotografieren hat euch gepackt, die Kamera ist bereit, doch mangelt es an jeglicher Inspiration. Dem schaffen wir heute Abhilfe. Freunde der Nacht – aufgepasst!

Wenn es dir an neuen Motiven fehlt oder du schlichtweg etwas Außergewöhnliches ausprobieren möchtest, dann ist Lightpainting wohl genau das richtige für dich, denn mit dieser Technik zauberst du ohne großen Aufwand atemberaubende Kunstwerke. Fast wie damals in der 3. Klasse im Kunstunterricht, als Mutti quasi all deine Meisterwerke gut fand. Nur noch ein bisschen besser!

In diesem Artikel lernst du, was genau Lightpainting eigentlich ist, welche simplen Utensilien du für diese spannende Technik benötigst, welche Einstellungen an der Kamera zu treffen sind und worauf du noch unbedingt achten solltest.
Des Weiteren erfährst du, welche Motive sich besonders gut zum Lightpainting eignen und zu guter Letzt haben wir noch ein ganz besonderes Experiment für alle die gerne mal die Funken sprühen lassen.

SCHRITT 1: Was ist überhaupt Lightpainting?

Die Bezeichnung „Lightpainting“ setzt sich aus den englischen Begriffen „light“ (= Licht) und „to paint“ (= malen/zeichnen) zusammen und beschreibt damit sozusagen das „Malen mit Licht“.

Diese Idee ist so simpel wie genial: Statt „nur“ ein normales Foto zu schießen, schreibt oder malt man, der Linse zugewandt, beispielsweise mit dem Licht einer Taschenlampe. Durch eine lange Belichtungszeit zeichnet man die hellen Spuren wie einen Film auf und erhält als Resultat dennoch ein Standbild, auf dem die gesamten Spuren erkennbar sind, die das Licht durchzogen hat.

„Durch eine lange Belichtungszeit zeichnet man die hellen Spuren wie einen Film auf und erhält als Resultat dennoch ein Standbild, auf dem die gesamten Spuren erkennbar sind, die das Licht durchzogen hat.“

Da man diese Bilder meist in der Nacht und ohne Blitz fotografiert, ist das Bild also absolut unterbelichtet. Lediglich die hellen stellen, also die Spur des Lichtes, verewigt sich auf dem Sensor der Kamera.

Die Möglichkeiten sind quasi grenzenlos, sodass jeder durch ein wenig Experimentierfreudigkeit zu einem atemberaubenden Ergebnis finden wird. Von Fallussymbolen bis zur hochromantischen Liebesbotschaft ist also alles möglich

SCHRITT 2: Die Equipment Checkliste

Die Liste der Dinge, die du für ein Lightpainting-Bild benötigst, ist erstaunlich kurz und besteht ausschließlich aus Dingen, die jeder Hobby-Fotograf daheim hat: In der Regel reichen eine Kamera, ein Stativ sowie eine Lichtquelle vollkommen aus.

In der Regel reichen eine Kamera, ein Stativ sowie eine Lichtquelle vollkommen aus.

Das Stativ ist unverzichtbar, da durch die extrem lange Belichtungszeit jede noch so winzige Bewegung der Kamera den gesamten Effekt ruiniert.
Optional lassen sich durch den Einsatz eines Fern- oder Selbstauslösers Beginn und Ende des aufzunehmenden Fotos exakt bestimmen, was sich als sehr hilfreich erweist, wenn du keine Aufnahmezeit vergeuden oder ungewollt durchs Bild huschen möchtest. Da viele moderne Systemkameras über WiFi und eine entsprechende Remotesteuerung verfügen, kann auch das Smartphone als Auslöser verwendet werden. Alternativ kannst du auch einen Freund um Hilfe bitten. Zu zweit lassen sich Lightpainting-Werke umso schneller und leichter erschaffen.

SCHRITT 3: Die richtige Belichtungszeit

Wie bereits erwähnt, ist der Knackpunkt und damit die Erklärung, warum Lightpainting überhaupt funktioniert, die Dauer der Belichtungszeit bzw. die Öffnungszeit der Blende. Schießt du ein ganz normales Foto, so öffnet und schließt sich die Blende im Normalfall bereits im Bruchteil einer Sekunde. Abzulichtende Objekte werden genau in dieser Zeit zwischen dem Öffnen und Schließen aufgezeichnet.

„Die gängigsten Spiegelreflex- und spiegellosen Systemkameras erlauben zumeist eine Belichtungszeit von bis zu 30 Sekunden. Benötigst du für das malen deines Bildes länger als 30 Sekunden, dann suche bei deiner Kamera den sogenannten „BULB“- Modus.“

Da das Malen mit Licht eine gewisse Zeit benötigt, reicht diese geringe Belichtungszeit nicht aus, sodass sie manuell verlängert werden muss. Die gängigsten Spiegelreflex- und spiegellosen Systemkameras erlauben zumeist eine Belichtungszeit von bis zu 30 Sekunden. Benötigst du für das malen deines Bildes länger als 30 Sekunden, dann suche bei deiner Kamera den sogenannten „BULB“- Modus. In diesem Kameramodus kannst du Start- sowie Stoppzeitpunkt der Belichtung selbst festlegen. Bei Digital- oder Kompaktkameras ist dies nicht der Fall; hier lassen sich lediglich durch spezielle Optionen und Nutzung voreingestellter Modi wie „Feuerwerk“ oder „Nachtaufnahme“ etwas längere Verschlusszeiten als bei einer herkömmlichen Aufnahme erreichen. Diese beschränken sich jedoch auf nur etwa drei Sekunden.

SCHRITT 4: ISO-Wert und Blende

Nicht nur die Verschlusszeit der Blende, sondern auch die Größe deren Öffnung kann bei vielen Kameras individuell eingestellt werden. Jede Blende verfügt über eine „f-Nummer“, die Auskunft über die Öffnung gibt. Dabei gilt: Je größer die Nummer, desto kleiner ist die Blendenöffnung und desto weniger Licht fällt am Ende ein.

„Als klassische Einstellung gelten eine mittlere Blendenöffnung f/8 und ein ISO-Wert von 100.“

Auch der ISO-Wert, der im Wesentlichen die Lichtempfindlichkeit der Kamera repräsentiert, muss für Lightpainting-Aufnahmen entsprechend der Intensität der Lichtquelle verändert werden. Dies ist sowohl bei DSLR- bzw. System- als auch bei Kompaktkameras möglich.
Als klassische Einstellung gelten eine mittlere Blendenöffnung f/8 und ein ISO-Wert von 100. Dabei wird von der Verwendung einer kräftigen Lichtquelle ausgegangen. Bei schwächerem Licht kannst du den ISO Wert durchaus auf bis zu 800 erhöhen oder auch die Blende etwas weiter öffnen. Hier ist ausprobieren angesagt.

SCHRITT 5: Das Setting – Eine dunkle Kulisse

Da beim Lightpainting das Licht im Fokus steht und die Grundlage eines jeden Motivs bildet, ist ein vollständig abgedunkelter Raum für die Aufnahme unverzichtbar. Andernfalls können die „Störlichter“ aus der Umgebung dazu führen, dass gewünschte Effekte nicht erzielt werden, da die zum Lightpainting eingesetzte Lichtquelle nur sehr unscheinbar zur Geltung kommt und nicht deutlich genug aus dem Bild heraussticht.

„Während des Lightpaintings unbedingt dunkle, am besten schwarze, Kleidung tragen, die sich nicht wesentlich vom Hintergrund abhebt.“

Selbiges gilt für helle Kleidung. Also: während des Lightpaintings unbedingt dunkle, am besten schwarze, Kleidung tragen, die sich nicht wesentlich vom Hintergrund abhebt. Schließlich befindest du dich während der Aufnahme selbst vor der Kamera und nicht dahinter. Wer eine Lightpainting-Aufnahme im Freien plant, dem bleibt leider nichts Anderes übrig als auf den Einbruch der Dunkelheit zu warten.

SCHRITT 6: Ausgefallene Motive – Kreativität ist gefragt

Draußen bieten sich vor allem in der Stadt interessante Möglichkeiten für Lightpainting-Kunstwerke an. So hinterlassen die Rücklichter fahrender Autos sowie die Beleuchtungsanlagen an Fahrgeschäften beeindruckende Spuren und auch der Versuch, eine Ampel während ihres vollständigen Umschaltvorgangs bildlich festzuhalten, kann sehr spannend sein.

Beliebte Umsetzungen des konventionellen Lightpaintings bestehen unter anderem darin, einen Gegenstand wie eine Blume oder auch ein Haustier zu fotografieren und daneben eine Lichtmalerei desselben Objektes anzufertigen. Auch Menschen lassen sich perfekt in derartige Fotos mit einbeziehen und beispielsweise von einem Lichtkegel umhüllen oder als Strichmännchen nachzeichnen. Hier gilt jedoch dasselbe wie für die Kamera: Das Modell muss während der gesamten Aufnahme stillhalten und zur besseren Sichtbarkeit im Idealfall weiße oder sehr helle Kleidung tragen.

Auch Schriftzüge aus Licht verfügen über eine kleine Besonderheit. Hierbei ist zu beachten, dass Buchstaben am Ende spiegelverkehrt auf dem Bild erscheinen werden. Du musst also rückwärts schreiben.

Auch Schriftzüge aus Licht verfügen über eine kleine Besonderheit. Hierbei ist zu beachten, dass Buchstaben am Ende spiegelverkehrt auf dem Bild erscheinen werden. Du musst also rückwärts schreiben.

Diverse Gegenstände, die auf gewohnten Fotos womöglich gar langweilig wirken, erhalten ein ganz besonderes Flair, wenn du sie – oder nur bestimmte Bereiche – mit einer Taschenlampe „anmalst“, beispielsweise die Landflächen einer Karte oder eines Globus‘. Außerdem ist es sehr spannend, verschiedene Lichtquellen auszutesten, gerne auch in ein und demselben Bild. Eine Taschenlampe erzielt andere Effekte als eine bunte LED, die sich optisch wiederum gänzlich von Kerzen oder Lichtquellen, die aus mehreren Lämpchen bestehen, abhebt.

Lightpainting mit Stahlwolle Langzeitbelichtung

Weitere Ideen: Lightpainting mit Stahlwolle

Wenn dir die aufgeführten Ideen noch immer zu gewöhnlich sind, dann ist es an der Zeit, im wahrsten Sinne des Wortes „die Funken fliegen“ zu lassen – denn auch das geht beim Lightpainting mit den entsprechenden Utensilien. Ein Schneebesen wird zum Flammenwerfer. Eskalatiooon!

Alles, was du hierfür neben den üblichen Materialien benötigst, sind ein Schneebesen, ein längeres Band (zum Beispiel ein Schlüsselband oder Drahtseil), dünnfaserige Stahlwolle mit einem Feinheitsgrad zwischen 0 und 0000, ein Feuerzeug sowie gegebenenfalls feuerfeste Kleidung.
Vorsichtshalber einen Feuerlöscher bereitzustellen, ist bei dieser nicht ganz ungefährlichen Lightpainting-Methode ebenfalls ratsam. Oder die örtliche Feuerwehr informieren. Just in case 😉 Ganz davon abgesehen, dass es an dieser Stelle mit der Verwendung eines Selbst- oder Fernauslösers ohnehin problematisch werden könnte, solltest du hier aber tatsächlich einen Freund mitnehmen.

Ganz wichtig ist auch, dass du Lightpainting mit Stahlwolle in jedem Falle ausschließlich im Freien praktizierst und gerade bei deinen ersten Versuchen erhöhte Sicherheitsmaßnahmen wie das Tragen einer Schutzbrille und einer Kopfbedeckung ergreifst, damit sich deine Haare nicht entzünden können. Achte darauf, dass sich keine Personen, Bäume oder andere leicht entflammbare Objekte in deiner unmittelbaren Nähe befinden.

„Ein Schneebesen wird zum Flammenwerfer. Eskalatiooon!“

Sind alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, kann der Spaß endlich beginnen:
Zunächst bringst du das Seil so fest am Schneebesen an, dass du diesen daran herumschleudern kannst, ohne dass er sich löst, denn das kann gefährlich werden.
Nimm anschließend einen kleinen Bausch Stahlwolle und stopf ihn in den Schneebesen. Durch Auflockern der Wolle ist eine erhöhte Luftzufuhr und dadurch verbesserte Entzündlichkeit gegeben.

Diese zündest du nun an ein bis zwei Stellen an. Nun kann es losgehen: Schleudere die soeben angefertigte Konstruktion kontrolliert in alle möglichen Richtungen. Je nach Geschwindigkeit des Umherschwingens und Menge der Wolle brennt diese etwa zwischen 5 und 20 Sekunden.
Jetzt wird es spannend, denn im Voraus lässt sich nie vorhersagen, wie ein solches Bild am Ende aussehen wird. Der Trick bei der ganzen Sache ist, dass die Funken überall in der Umgebung auftreffen und sofort wieder abprallen. Die Kamera zeichnet dabei die zurückgelegten Wege jedes einzelnen Funken auf und macht sie sichtbar. Dies führt zu einem unbeschreiblichen Ergebnis, das sich so kein zweites Mal finden lässt.

Überlege dir vor deiner Foto-Session gut, ob du es überhaupt auf den durch das Abprallen der Funken entstehenden Effekt abgesehen hast. Dieser tritt am ehesten in der Nähe von Brücken oder engen Passagen auf.

Überlege dir vor deiner Foto-Session gut, ob du es überhaupt auf den durch das Abprallen der Funken entstehenden Effekt abgesehen hast. Dieser tritt am ehesten in der Nähe von Brücken oder engen Passagen auf. Denke aber daran, dass die Glühenden Funken so auch wieder auf dich zurückprallen können. Stelle daher immer sicher, dass du gut geschützt gekleidet bist.

Falls dem nicht so ist, solltest du Lightpainting mit Stahlwolle auf einer großen, freien Fläche ausüben. Da Gras als Untergrund wegen der erhöhten Brandgefahr hierbei tabu ist, eignen sich alte, abgelegene Fabrikgelände mit betoniertem oder sandigem Bodenbelag am besten als Location.

Aufgepasst: Da du eigentlich auf die örtliche Feuerwehr verzichten willst bzw. falls keiner von deinen nächtlichen Kreativphasen weiß, solltest du immer überprüfen, dass deine Funken keine Ölpfützen entfachen oder Stroh, das einfach so rumliegt. Stay safe!

 

Bei Beachtung aller Hinweise kann bei deinem Lightpainting nichts mehr schiefgehen und du kannst deiner Fantasie freien Lauf lassen, um ein zauberhaftes Lichtgemälde zu schaffen.

Wir würden uns riesig freuen, wenn du uns auf deinem Lightpainting Meisterwerk auf Instagram verlinkst oder uns einen Link in den Kommentaren hinterlässt!

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