FotografiePortrait

Einfach bessere Portraits in 8 Schritten

Von in Fotografie, Portrait

Portraitfotos sind weit mehr als lustige Selfies oder steife Passbilder aus dem Fotoladen. Portraitfotos sind eine Welt voller Möglichkeiten! Wir zeigen dir in 8 einfachen Schritten wie auch du schöne Portraits machen kannst.

Mal ehrlich – wer hat nicht gerne schöne Bilder von sich oder möchte selbst Fotos machen, die Geschichten erzählen? Irgendwo zwischen Selfie und aufwendigem Shooting soll doch immer mehr vermittelt werden als 0815 Pose und leerem Gesichtsausdruck. Portraits zeigen nicht nur, wie jemand aussieht. Portraits zeigen Charakter.

Wir zeigen dir nicht, wie du die Schokoladenseite hervorheben kannst, sondern den verdammten Brownie mit warmen, flüssigem Schokoladenkern – Boom! Bilder, die uns zum nachdenken bringen. Lachen, das ansteckt. Wunschreaktion beim Anblick deiner Fotos: Kopfkino. Mittendrin statt nur dabei. Verlang’ mal lieber Eintritt.

Egal, welches Ziel man verfolgt, ein Punkt gilt für alle Arten der Portraitfotografie: Jeder kann ein guter Portraitfotograf werden, und es wird noch nicht einmal zwangsläufig teures Equipment dafür benötigt. Folgende Tipps werden dir dabei helfen:

Tipp 1: Gute Locations gibt es überall in deiner Stadt

Oft nehme ich mir vor an 3-4 Spots Fotos zu machen und schaffe dann doch nur 2 der geplanten Locations, da man unterwegs ständig neue Plätze & Möglichkeiten findet. Falls du keine DSLR hast und deshalb nicht mit der Tiefenschärfe spielen kannst, solltest du eine Location mit einem ruhigen Hintergrund suchen. Zu viele Bäume, Büsche oder Wände mit Graffiti bringen unnötige Unruhe ins Bild, weil das Portrait fast genauso scharf abgelichtet wird, wie der Hintergrund.

Wenn das Portrait im Mittelpunkt stehen soll, musst du also einen einheitlichen Hintergrund suchen. Gut geeignet sind helle Hauswände oder auch Brücken, auf denen man im Hintergrund nur den Himmel sieht. Ich bin super gerne im Industriegebiet unterwegs. Hier ist alles recht einheitlich gehalten, dennoch hat man zahlreiche Möglichkeiten – von der weißen Backsteinwand über die graue Betonwand.

„Falls du keine DSLR hast und deshalb nicht mit der Tiefenschärfe spielen kannst, solltest du eine Location mit einem einheitlichen Hintergrund suchen.“

Falls du Indoor in der Wohnung fotografieren möchtest, aber keine Atelierlampen hast, dann stell oder setz das Model ans Fenster in das hereinfallende Tageslicht und sorge dafür, dass keine Bilder oder Möbel im Hintergrund sind. Sunflares und Schatten können Stimmung erzeugen.

Je nachdem was du vor hast, können auch farbige Hintergründe extrem spannend sein. Das Fotografenduo “Eyecandyberlin” kannst du dir bei der Gelegenheit mal anschauen. Hier kannst du dich definitiv inspirieren lassen!

Experimentiere etwas mit den verschiedenen Locations in deiner Nähe und du wirst sicherlich bald deine Lieblings-Spots für Portraitfotografie haben.

Tipp 2: Hab eine genaue Vorstellung von deinem Ziel und rede mit deinem Model darüber

Vor dem Shooting solltet ihr darüber sprechen, ob die Fotos für das Model oder für dich gemacht werden. Willst du mit den Fotos deine eigenen Ideen verwirklichen, oder will sich dein Model von seiner besten Seite zeigen? Diese Absprache ist wichtiger, als man denkt.

Wenn du beispielsweise die Idee hast, mittels Portraitfotografie negative Gefühle wie Trauer oder Wut zu illustrieren, dann wird das Model hinterher sehr enttäuscht reagieren, falls es von einem charmanten Foto für Instagram oder Facebook geträumt hat. Fotograf und Model müssen sich in diesem Punkt einig sein.

„Willst du mit den Fotos deine eigenen Ideen verwirklichen, oder will sich dein Model von seiner besten Seite zeigen?“

Professionelle Models sind darauf eingestellt, dass es beim Shooting um die Idee des Fotografen und nicht um sie geht. Im Freundeskreis oder mit Laien-Models kann es dagegen zu Schwierigkeiten kommen wenn man sich vorher nicht richtig ausspricht. Wenn es ausschließlich darum gehen soll, eine deiner künstlerischen Ideen zu verwirklichen, musst du von Anfang an offen darüber sprechen.

Generell entstehen meist nur dann wirklich gute Fotos, wenn die Zusammenarbeit zwischen Fotograf und Model von Anfang an auf Offenheit und Vertrauen basiert. Und wer weiß – vielleicht hat dein Model ja auch super Ideen die sich umsetzen lassen?

TIPP 3: Wähle die richtige Tageszeit für Portraitfotografie

Nichts ist unschöner, als ein durch die starke Mittagssonne aufgehelltes Gesicht. Die Konturen verwischen sich, die Züge werden hart. Oft wirft auch die Nase unschöne Schatten.

Was für alle Aufnahmen im Freien wichtig ist, gilt auch für Outdoor-Shootings mit Models: Die besten Tageszeiten zum Fotografieren sind der Vormittag und der späte Nachmittag. Außerdem sind bewölkte und graue Himmel für Portraitfotos sehr angenehm. Das Licht strömt gleichmäßig und es gibt nur wenige Schatten.

Das Licht spielt bei Portraitaufnahmen eine wichtige Rolle. Das Gesicht muss im Licht sein, ohne dass es direkt angestrahlt wird. Wer dazu in den Halbschatten geht, wird schnell merken, dass das nichts bringt. Die Fotos sind dann im dunklen Bereich unter- und im hellen Bereich überbelichtet. Das Licht muss gleichmäßig strömen und es darf keine Schatten geben.

„Die besten Tageszeiten zum Fotografieren sind der Vormittag und der späte Nachmittag. Außerdem sind bewölkte und graue Himmel für Portraitfotos sehr angenehm.“

Wenn du ohne Belichtungsmesser arbeitest, solltest du außerdem im gleichen Licht wie dein Model stehen. Und noch ein Punkt ist wichtig: Verzichte lieber auf den in der Kamera integrierten Blitz! Auch wenn in zahlreichen Apps und Fotoprogrammen das Entfernen der roten Blitz-Augen angeboten wird, lass dich nicht darauf ein. Ein geblitztes Gesicht ist nie wirklich aussagekräftig. Auch dann nicht, wenn du die roten Augen entfernst. Wenn du mit einem externen Blitz umgehen kannst ist das natürlich ein anderes Thema. Dennoch gibt es die authentischsten Bilder im Freien meist mit „available light“, also dem natürlich vorhandenen Licht.

TIPP 4: Lege den Fokus auf die Augen

Dies ist der vielleicht wichtigste Tipp in der Portraitfotografie: Fokussiere auf die Augen! Auch dann, wenn du das ganze Gesicht deines Models einfangen willst oder dir die Haare beziehungsweise das Kinn besonders gut gefallen: Der Schärfepunkt muss immer in den Augen liegen!

Naja, oder je nach Bild zumindest in einem der beiden Augen. Nur dann entsteht dieses gewisse Etwas, das gute Portraitfotos ausmacht. Bei Portraitfotos wird gerne mit einer leichten Unschärfe gearbeitet. Die Unschärfe lässt Falten und kleine Unschönheiten in der Haut verschwinden. Die Augen müssen jedoch scharf bleiben!

„Wenn du ohne Tiefenschärfe arbeitest, muss das ganze Gesicht scharf abgelichtet werden. In diesem Fall kannst du das Foto anschließend mit einer App oder mit einem Fotoprogramm bearbeiten und die Haut mit einer leichten Unschärfe weichzeichnen, während die Augen klar und deutlich bleiben.“

Wenn du ohne Tiefenschärfe arbeitest, muss das ganze Gesicht scharf abgelichtet werden. In diesem Fall kannst du das Foto anschließend mit einer App oder mit einem Fotoprogramm bearbeiten und die Haut mit einer leichten Unschärfe weichzeichnen, während die Augen klar und deutlich bleiben. In den Augen spiegelt sich die Seele des Menschen wieder. Wenn die Augen unscharf sind, wirkt das gesamte Portrait leider leblos.

Ein professioneller Fotograf geht bei Portraitfotografie im Studio meistens sogar noch einen Schritt weiter und platziert im Auge des Models den Lichtreflex der Studiobeleuchtung beziehungsweise des Ringblitzes.

TIPP 5: Fotografiere leicht von oben und geh nah ran

Alle Menschen sehen am besten aus, wenn sie leicht von oben fotografiert werden. Es reicht schon aus, auf einen kleinen Hocker oder bei einer Treppe eine Stufe nach oben zu steigen. Wenn das Model nach oben blickt, werden die Augen klar, und die Gesichtszüge straffen sich. Dieser Tipp gilt übrigens nicht nur für Portraitfotografie. Nicht umsonst halten die meisten ihr Smartphone für Selfies nach oben.

Auch ein direktes Gegenüber eignet sich oft gut. Die Linse sollte auf der Augenhöhe des Models sein, das Kinn etwas mehr nach unten zeigen als üblich. Allerdings nur ganz leicht, hier entsteht ansonsten schnell ein Doppelkinn. Andernfalls wirkt der Hals jedoch sehr lang, der Kiefer breit und die Person herablassend. Probiert es einfach mal aus!

„Viele Menschen sehen am besten aus, wenn sie leicht von oben fotografiert werden. Alternativ eignet sich auch ein direktes Gegenüber – das Kinn sollte leicht nach unten zeigen.“

Fotos, die von unten gemacht werden, sind dagegen fast immer unschön. Es reichen schon weniger Zentimeter aus, und das Model wirkt dicker, als es ist. Oft zeigt sich ein Doppelkinn, das es eigentlich gar nicht gibt, und die Augen werden kleiner als sie in Wirklichkeit sind. Klar, Ausnahmen bestätigen die Regel: Hübsche Fotos entstehen beispielsweise, wenn das Model nach oben blickt, während man von unten fotografiert. Dabei werden zwar nur Teile des Gesichts eingefangen, aber die Wirkung ist großartig!

Außerdem solltest du beim Fotografieren nahe rangehen. Vor allem bei einem unruhigen Hintergrund ist das sehr wichtig. Das grüne Laub der Blätter, die Straßenszene, der Vorhang in der Wohnung – all das lenkt nur unnötig vom Gesicht ab.

TIPP 6: Halt dein Model in Bewegung und rede, rede, rede

Richtige Portraitfotografie lebt von der Bewegung. Bring dein Model zum Lachen, zum Springen, zum Laufen und zum Reden. Musik kann hier auch sehr hilfreich sein!

Wer nur in die Kamera lächelt und stillhält, endet leicht mit einer Portrait-Aufnahme, die unweigerlich an ein Passfoto erinnert. Zwischen Take 1-85 gibt es eigentlich keinen Unterschied. Wenn du Glück hast, gibt es vielleicht ein Foto mit geschlossenen Augen. Langweilig.

Selbst Indoor-Aufnahmen, bei denen das Model beispielweise nahe dem Fenster auf einem Stuhl sitzt, werden hübscher, wenn du deinem Model etwas erzählst, das ein natürliches Lächeln ins Gesicht zaubert. Wenn du bereits ein fortgeschrittener Hobbyfotograf bist, kannst du mit einer sehr schnellen Belichtungszeit wie bei der Sportfotografie arbeiten und Serien erstellen. Aus Serien von zwanzig oder dreißig Fotos ist bestimmt eines dabei, bei dem alles stimmt! Der Schärfepunkt sitzt, das Licht fällt richtig und das Portrait ist genauso, wie du es dir vorgestellt hast. Oft sind es auch die unerwarteten Bilder zwischen den Posen, die besonders ausdrucksstark sind.

„Du kannst mit einer sehr schnellen Belichtungszeit wie bei der Sportfotografie arbeiten und Serien erstellen. Oft sind es die unerwarteten Bilder zwischen den Posen, die besonders ausdrucksstark sind.“

Aufwendige und unnatürliche Posen sind ein Thema für sich. Wenn sich Laien auf unnatürliche Art vor der Kamera verbiegen und ein Hobby-Fotograf hinter der Linse steht, entstehen meist leider nur Bilder, die ungewollt komisch wirken. Falls du also nicht deine beste Freundin oder ein geübtes Model vor der Linse hast, solltest du in diesem Fall vielleicht darauf verzichten. Zudem sind einfache und natürliche Portraits meistens sowieso die besseren.

TIPP 7: Mach viele verschiedene Fotos

Gute Portraitfotografie dauert seine Zeit. Mache so viele verschiedene Aufnahmen wie möglich. Wechsle dabei deine Position, aber auch die Position des Models.

Sei dabei ruhig einmal mutig und stell das Model beispielsweise in der Sonne ins Gegenlicht. Manchmal funktionieren spontane Szenarien besser als die ursprünglich geplanten und haben das gewisse Etwas.

„Mache so viele verschiedene Aufnahmen wie möglich. Wechsle dabei deine Position, aber auch die Position des Models.“

Setz dich mit deinem Model auf den Boden oder steig auf eine Leiter. Ermutige dein Model auch dazu, andere Seiten von sich zu zeigen. Brillenträger können die Brille absetzen, andere es mal mit einer Sonnenbrille versuchen. Zerzaust die Haare des Models mit den Händen oder macht die Haare nass und kämmt sie glatt nach hinten. Fotografier dein Model ungestylt und mit Make-Up. Es gibt unzählige Möglichkeiten – habt einfach etwas Spaß.

Tipp 8: Letzte Tipps für Fortgeschrittene

Wenn dir die Portraitfotografie irre viel Spaß macht und du merkst, dass du damit Erfolg hast, ist es Zeit, das Equipment zu erweitern und sich an größere Projekte zu wagen.

Richtig interessant wird die Arbeit, wenn Reflektoren zum Einsatz kommen! Das gilt übrigens auch für Systemkameras. Es gibt sehr preiswerte Faltreflektoren mit den Farben Gold, Silber, Schwarz, Weiße und Grau. Mit diesen Reflektoren kann dein Model im Schatten stehen, während der Reflektor das Sonnenlicht auf das Gesicht des Models zurückwirft. Der Einsatz von Reflektoren lässt Gesichter erstrahlen und zeichnet die Züge weich. Reflektoren können sogar ein absolutes „Must“ werden, wenn du ein Model mit dunklerem Taint fotografierst. Mit einem Reflektor kannst du die Belichtung korrigieren und zusätzliches Licht auf das Gesicht strahlen lassen.

„Objektive mit einer Festbrennweite von 80 oder 100 mm liefern die mit Abstand besten Resultate bei der Portraitfotografie und ermöglichen es dem Fotografen, den Schärfepunkt genau einzusetzen und mit der Tiefenschärfe ausführlich zu spielen.“

Für Systemkamera-Fotografen lohnt sich außerdem die Anschaffung eines Objektivs mit einer Festbrennweite von 80 oder 100 mm. Diese Objektive liefern die mit Abstand besten Resultate bei der Portraitfotografie und ermöglichen es dem Fotografen, den Schärfepunkt genau einzusetzen und mit der Tiefenschärfe ausführlich zu spielen.

Für Systemkamera-Fotografen lohnt sich außerdem die Anschaffung eines Objektivs mit einer Festbrennweite von 80 oder 100 mm. Diese Objektive liefern die mit Abstand besten Resultate bei der Portraitfotografie und ermöglichen es dem Fotografen, den Schärfepunkt genau einzusetzen und mit der Tiefenschärfe ausführlich zu spielen. Eine solche Anschaffung hat noch einen weiteren Vorteil: Mit Festbrennweiten kann man auch wundervolle Makro-Aufnahmen machen. Aber das ist ein ganz anderes Thema…

Was sind eure Erfahrungen? Worüber würdet ihr gerne mehr erfahren? Kritik, Anregungen und Liebesbriefe gerne in die Kommentare!

3 Kommentare

  1. Hannah 8 Monaten vor

    Hallo,
    super Tipps – danke! Habt ihr vielleicht noch konkrete Tipps/Tricks für „Selfie Portraits“?

    • Autor
      parkerandarrow 7 Monaten vor

      Hallo Hannah,

      schön zu hören, danke dir!
      Für zahlreiche Kameras gibt es mittlerweile passende Fotoapps. Diese kannst du beispielsweise als Fernauslöser nutzen und auf deinem Handydisplay deine Pose etc überprüfen. Außerdem sind Serienaufnahmen immer sinnvoll (beispielsweise via Selbstauslöser & 10 Fotos), da du so verschiedene Posen testen kannst und so vielleicht ein Foto dabei ist, das natürlich und ungestellt aussieht. An einem umfangreicheren Artikel zu diesem Thema arbeiten wir noch 🙂

  2. fabian@Kunst-in-Bildern 7 Monaten vor

    Hi Philipp, klasse Artikel, besten Dank für die hilfreichen Infos um auch meine Fotos weiter zu verbessern. Danke auch für Deinen Kommentar in meinem Blog, habe soeben darauf geantwortet. 🙂 Beste Grüße, Fabian.

Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*